Home Tolli im Hexen-Internat


37. Hexisch

Von nur wenigen Schülerinnen bemerkt, betrat eine jugendliche Hexe mit großen fragenden Augen, bunten Haaren und einem langen Wollschal das Klassenzimmer. "Bin ich hier richtig? Klasse 1?", fragte sie unsicher in die Runde. Ihre leise Stimme konnte sich nicht gegen den Lärm durchsetzen. Da stand Blitzi auf. Laut rief sie "Still mal!" Sofort verstummte das Geplapper ringsum. Erst jetzt wurde allen bewusst, die neue Lehrerin war eingetroffen.
"Sind Sie die Hexe Konfetti?", fragte Blitzi frei heraus.
"Ja, ja. Ich kann mir einfach nicht merken, wo dieses Klassenzimmer liegt." Zerstreut stellte die Hexe Konfetti ihren Besen in die Ecke, dann zog sie einen Minicomputer aus ihrer Tasche und stellte ihn achtlos auf den Lehrertisch. "Wer von euch kennt Hexisch?" Gleichgültig blickte sie die Schülerinnen an.
"Ich!", meldete sich Blondi als einzige.
"Gut. Nehclew gatnehcoW nebah riw etueh?"
"Wie bitte?" Blondi schaute ratlos.
"Das ist Hexisch", erklärte die Hexe Konfetti betont geduldig. "Auf Deutsch: Welchen Wochentag haben wir heute?"
"Ach so." Blondi begann zu stottern: "Ga ... t ... nom."
"Fängt sie schon wieder an zu schleimen", zischte Frosti erbost in Schnippis Richtung.
"Sie kann halt nicht anders." Schnippi grinste verächtlich.
"Alles nur rückwärts gesprochen!", stellte Tolli erschüttert fest. "Das soll Hexisch sein?"
"Scheint so." Belli lehnte sich behaglich auf ihrem Stuhl zurück. Diese Schulstunde schien lustig zu werden.
"Passt auf!", forderte die Hexe Konfetti mit leicht müder Stimme die Schülerinnen auf. "Ich sage jetzt etwas und ihr sprecht mir das nach." Sie legte eine dramatische Pause ein. "Ich - chi - du - ud - er - re - sie - ies - es - se - wir - riw - ihr - rhi - sie - ies."
Laut wiederholten die Schülerinnen ihre Worte. Tolli fand die Übung albern und sprach nur halblaut vor sich hin. Plötzlich blinkte das Symbol ihrer Flirt-Kamera. Schnell klickte sie das Icon an. Mal sehen, welcher Zauberschüler es war. Dass der hübsche ältere Athos sich bei ihr melden würde, daran glaubte sie längst nicht mehr.



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